moents in kafka

Für einen moent (=Moment) herrscht Stille.

Für einen moent stillt der Platz.

In diesem moent starte ich das Motorrad.

Die Räume von Triesch – ein Ort hat mehrere Räume, ein Raum mehrere Orte – und der Literatur fragend ausfahren.

Kafka: „‚Haß gegenüber aktiver Selbstbeobachtung‘ notiert Kafkas Tagebuch am 9. Dezember 1913 und folgt damit demselben Widerwillen gegen die lediglich zergliedernden Impulse des psychologischen Untersuchungsverfahren (T II 213).“ (Peter-André Alt: Franz Kafka. Der ewige Sohn, 2008/2005, S. 309)

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Moritz Holfelder

vermerkt zu Kafka in seinem „Das Buch vom Motorrad. Eine Kulturgeschichte auf zwei Rädern“ (1998) unter dem Titel „Pneupoeten“: „Gefahren sind sie alle. Oder zumindest fast alle. Franz Kafka notierte 1907 (knapp, wie es seine Art war) in einem Brief an Max Brod: ‚Ich fahre viel auf dem Motorrad …‘. Dabei hatte der damals 25jährige [sic, Kafka wurde 1883 geboren] wohl keine eigene Maschine gehabt, sondern lieh sich die NSU (oder Laurin & Klement) von seinem Onkel Siegfried Löwy aus.“ (S. 200)

2. Ausfahrt

Wieder über die S3, über Znojmo, an der nicht ausgeschilderten Abzweigung in Stanořov Richtung Třešť/Triesch, fahre dort Motorrad, wo Kafka Motorrad fuhr. Ich erfahre Kilometer um Kilometer, Ansichten um Ansichten nähern sich und drehen an mir vorbei, – Dževad Karahasan: „Nomaden erobern Räume, nicht Zeit. Klassische europäische Kultur bewahrt, sammelt Zeit. Kultur hieß für alte Europäer Zeit sammeln, Erinnerungen bewahren, Gedächntis vergrößern. Das ist in Bibliotheken, Museen und Archiven der Fall. Was in der Zeit geschah, bildet die traditionelle europäische Kultur. … ich sammle Erinnerungen, ich sammle Erfahrungen, Meilen überlasse ich den Nomaden.“ Motorradfahren ist beides. — Kafka-Büste in Třešť/Triesch:
Triesch-Kafka-Löwy.jpg

Mehr Ausfahrten kündigen sich an.

 

„Nach einer Lokaltradition

in Triesch soll Löwy (Dr. Siegfried Löwy, 1867-1942, der Landarzt, Onkel Kafkas) auf Drängen Kafkas seine Pferdekutsche gegen ein Motorrad getauscht haben, was dazu führte, daß sein neues Beförderungsmittel von der Bevölkerung ‚der stinkende Teufel‘ genannt wurde. Allerdings soll die Maschine bald durch einen Unfall zerstört und er selbst dabei verletzt worden sein, als er am Abend auf einen quer über der Straße liegenden Balken fuhr. Im Jahr darauf habe er sich ein neues Motorrad gekauft, diesmal eine Laurin & Klement.“

Hartmut Binder, Kafkas Welt, S. 122.

Ablenkung

F.K.: „Böse ist das, was ablenkt.“ Ablehnung radikalst formuliert. Jedoch, – Regen bröselt nicht.

Und: „Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen und es wird ein Teil der Ceremonie.“ Das Unvorhersehbare wird durch Wiederholung in den Fahrerfahrungsraum integriert und überschreibt das Ungeheure des Opfers.