Motorradfahren kontextualisiert

„Als Mittel der Körperertüchtigung dienen (Kafka) im Laufe der Jahre Schwimmen, Radfahren, Tennis, Motorradfahren, Rudern, Reiten und Gartenarbeit.“

Hartmut Binder: Franz Kafka. Leben und Persönlichkeit, S. 206

 

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„Nach einer Lokaltradition

in Triesch soll Löwy (Dr. Siegfried Löwy, 1867-1942, der Landarzt, Onkel Kafkas) auf Drängen Kafkas seine Pferdekutsche gegen ein Motorrad getauscht haben, was dazu führte, daß sein neues Beförderungsmittel von der Bevölkerung ‚der stinkende Teufel‘ genannt wurde. Allerdings soll die Maschine bald durch einen Unfall zerstört und er selbst dabei verletzt worden sein, als er am Abend auf einen quer über der Straße liegenden Balken fuhr. Im Jahr darauf habe er sich ein neues Motorrad gekauft, diesmal eine Laurin & Klement.“

Hartmut Binder, Kafkas Welt, S. 122.

Ablenkung

F.K.: „Böse ist das, was ablenkt.“ Ablehnung radikalst formuliert. Jedoch, – Regen bröselt nicht.

Und: „Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen und es wird ein Teil der Ceremonie.“ Das Unvorhersehbare wird durch Wiederholung in den Fahrerfahrungsraum integriert und überschreibt das Ungeheure des Opfers.

MZ?

Entschuldigung, wie geht es Ihrem Mischnazahn, wurde F. an der Kreuzung von einem ebenfalls dort anhaltenden Motorradfahrer gefragt.

Ich gehe über die Pawlatsche in ein anderes Zimmer, dort warten meine Papiere, war die Antwort.

Denn: „Mir ist ein Wunder widerfahren; daher will ich eine nützliche Einrichtung treffen.“ (Schimon bar Jochai)

Franz Kafka an Max Brod

Ich fahre viel auf dem Motorrad, ich bade viel, ich liege lange nackt im Gras am Teiche, bis Mitternacht bin ich mit einem lästig verliebten Mädchen im Park, ich habe schon Heu auf der Wiese umgelegt, ein Ringelspiel aufgebaut, nach dem Gewitter Bäumen geholfen, Kühe und Ziegen geweidet und am Abend nachhause getrieben, viel Billard gespielt, große Spaziergänge gemacht, viel Bier getrunken und ich bin auch schon im Tempel gewesen.

Triesch, Mitte August 1907