Kafka, Löwy/Triesch & Wien

„In der Endphase seiner Gymnasialzeit dürfte Kafka zum ersten Mal Wien gesehen haben. Daß es diese Reise überhaupt gab, wird lediglich durch eine Tagebuchnotiz belegt […]. Die wahrscheinlichste Vermutung ist, daß sein Lieblingsonkel Dr. Friedrich Löwy, Landarzt im mährischen Triesch (Třešť), der Wien besonders liebte und gern besuchte, seinen Neffen zu einer gemeinsamen Reise in die Metropole eingeladen hatte, auf der dieser einen Eindruck von den Wiener Hauptsehenswürdigkeiten erhalten haben dürfte […]. Es dürfte sich um einen Wochenendausflug während der Sommerferien gehandelt haben, die Kafka als Schüler und Student teilweise bei seinem Onkel zu verbringen pflegte. Daß die beiden tatsächlich gemeinsam reisten, belegt der Umstand, daß sie sich im August 1901 zusammen in Helgoland und Norderney aufhielten.“

Hartmut Binder: Kafkas Wien. Portrait einer schwierigen Beziehung, 2013

Im Škoda Museum, Mladá Boleslav/Jungbunzlau …

„Der deutschsprachige Prager jüdische Schriftsteller Franz Kafka hat in seiner Novelle Die Verwandlung die absurde Veränderung in ein im Chitinpanzer gefangenes Individuum, einen Käfer etwa, anschaulich beschrieben. Im selben kulturellen Umfeld inspirieren die Deckflügel der Insekten den Konstrukteur und Ingenieur Ferdinand Porsche, gebürtig aus Liberec, zur Erfindung des legendären Käfers.“

Zu den Fahrenden, allgemein:

„Es ist merkwürdig, daß die am Rande der ‚guten‘ Gesellschaft lebenden Fahrenden gerade für intellektuelle Bürger, Dichter und Literaten von oft ungemein großer Faszination sind. Dies hängt wohl mit dem Freiheitsprinzip zusammen, mit dem man Ganoven und Fahrende oft verbindet; schließlich wissen sie sich der bürgerlichen Ordnung, die sozialen Druck für den einzelnen bedeutet, geschickt zu entziehen.“

Roland Girtler: Rotwelsch. Die alte Sprache der Gauner, Dirnen und Vagabunden. 2., erweiterte Auflage. Wien, Köln, Weimar, 2010/1998.

„Mehltau“ über der Corona-Gesellschaft

Die unten konstatierte Energielosigkeit („Nur Sprit, kein Spirit“) scheint nicht individuell zu sein, – „Wenn meine Beobachtung zutrifft, dass viele jetzt das Gefühl haben, durch die tendenzielle Isolation ihre Energie verloren zu haben, dann bestätigt das nur die Vermutung, dass die Quelle, welche die Bewegungsenergie der Moderne erzeugt, nicht in den Individuen liegt, sondern in den sozialen Wechselwirkungen zu suchen ist.“ – Hartmut Rosa

Und: Der Soziologe Thomas Alkemeyer bringt den vitalen Ausbruch von Protestenergien (Floyd, Motorradfahrverbote) nach dem Lockdown mit dem „Mehltau“, also dem Herunterfahren von Energie in Verbindung, um so zu einer Erklärung für die eruptiven Äußerungen zu kommen. – link

gänge

Ich komm nicht in die Gänge, einer Öffnung folgt eine Schließung, innen clustered Corona, ginge es nach mir, würden Maske/Abstand/Desinfektion reichen, der Gang zum Motorrad ist gangbar, doch Corona gängelt, wie eine Hydra zieht es seine Runden, ich sehe vom Gang das Motorrad, und es scheint gegangen. Nur Sprit, kein Spirit.

No way, weiter winter

Ohne der möglichkeit zu fahren kann es diesen motorrad-blog nicht geben, da die erfahrene erfahrung mit all den ein- und aussichten nicht rotieren kann. Eine umdrehung der räder verändert schon alles!


2.4.20: „Wir alle erleben das fortdauernde Drama des Neuen und den fortaufenden Kummer über den Verlust dessen, was wir hinter uns gelassen haben. Es ist ein universeller Kummer, und er ist so machtvoll, dass wir ihn am liebsten leugnen, ihn kaum einmal in uns selbst anerkennen, von anderen ganz zu schweigen. Die Gesellschaft ermutigt uns, nur das Neue, das Erreichte in den Mittelpunkt zu stellen, aber nicht den Verlust, jenen anderen Faden, der unsere Spezies eint und verbindet.“
Moshin Hamid, Eine Welt voller Wanderer (Nat. Geogr., Aug. 2019)

Café Freud, Wien, Berggasse

Weiter geht es nach dem „corona-winter“.

Bleiben sie gesund, bzw. werden sie gesund!