„Mehltau“ über der Corona-Gesellschaft

Die unten konstatierte Energielosigkeit („Nur Sprit, kein Spirit“) scheint nicht individuell zu sein, – „Wenn meine Beobachtung zutrifft, dass viele jetzt das Gefühl haben, durch die tendenzielle Isolation ihre Energie verloren zu haben, dann bestätigt das nur die Vermutung, dass die Quelle, welche die Bewegungsenergie der Moderne erzeugt, nicht in den Individuen liegt, sondern in den sozialen Wechselwirkungen zu suchen ist.“ – Hartmut Rosa

Und: Der Soziologe Thomas Alkemeyer bringt den vitalen Ausbruch von Protestenergien (Floyd, Motorradfahrverbote) nach dem Lockdown mit dem „Mehltau“, also dem Herunterfahren von Energie in Verbindung, um so zu einer Erklärung für die eruptiven Äußerungen zu kommen. – link

gänge

Ich komm nicht in die Gänge, einer Öffnung folgt eine Schließung, innen clustered Corona, ginge es nach mir, würden Maske/Abstand/Desinfektion reichen, der Gang zum Motorrad ist gangbar, doch Corona gängelt, wie eine Hydra zieht es seine Runden, ich sehe vom Gang das Motorrad, und es scheint gegangen. Nur Sprit, kein Spirit.

No way, weiter winter

Ohne der möglichkeit zu fahren kann es diesen motorrad-blog nicht geben, da die erfahrene erfahrung mit all den ein- und aussichten nicht rotieren kann. Eine umdrehung der räder verändert schon alles!


2.4.20: „Wir alle erleben das fortdauernde Drama des Neuen und den fortaufenden Kummer über den Verlust dessen, was wir hinter uns gelassen haben. Es ist ein universeller Kummer, und er ist so machtvoll, dass wir ihn am liebsten leugnen, ihn kaum einmal in uns selbst anerkennen, von anderen ganz zu schweigen. Die Gesellschaft ermutigt uns, nur das Neue, das Erreichte in den Mittelpunkt zu stellen, aber nicht den Verlust, jenen anderen Faden, der unsere Spezies eint und verbindet.“
Moshin Hamid, Eine Welt voller Wanderer (Nat. Geogr., Aug. 2019)

Café Freud, Wien, Berggasse

Weiter geht es nach dem „corona-winter“.

Bleiben sie gesund, bzw. werden sie gesund!

 

winterpause –

ich begehe sie an/gemessen 😉 mit zwei kafka-titeln –

hanns zischler: kafka geht ins kino

und mit –

peter-andré alt: kafka und der film

die erfahrung des fahrens mit dem motorrad, der erfahrung von geschwindigkeit, und das damals neue medium kino, beides im zeichen der akzeleration der moderne, wollen einer gemeinsamen meditation unterzogen werden  …  auf ein neues im frühjahr 2020!

Kafka/Kelte, 2., 3. & 4. Einspruch

2. Einspruch

Er zieht dem Wildschwein den Plastikstreifen aus Maul, Schlund und Magen. M. Sch., Kelte, ruft: „Trubetzkoy“.

3. Einspruch

Sie erkannte in der Bäderarchitektur eine notwendige Zeitverzögerung, – „damit sich die Kurenden auch hier aus den leidenden Zeitbezügen freimachen können“. Er fand damit den Aufenthalt für beendenswert.

4. Einspruch

Am offenen Keltengrab neben der Straße – eines von Hunderten in dieser Gegend – las der Motorradfahrer „Das Schloß“. Die Füße baumelten in die seichte Tiefe. Das Grab und das unerreichbare Schloß verschränkten sich, der Körper wurde da angelagert, zum Schloß will K.s Sehnen zurück in den Schoß, im seit dem neolithischen Bündel getätigten Schoßzwangzeitalter, den Durchgang suchend, dort die Befriedung des Denkens empfangen wollend, die dyadische Monade erbetend, immer wieder versuchend. Raus und wieder zurück.

Er, keltend, setzte sich auf das Motorrad und dachte an den Dicken, in seiner orientalischen Heblichkeit, – der Kelte drehte am Gas, kuppelnd und schaltend, Geschwindigkeit gewinnend.

Kafka/Kelte

1. Einspruch
Wurde der Dicke auf der Tragbahre durch die Landschaft getragen, deklamierend, sie störe beim Denken, ist die Geschwindigkeit der Motorräder höher, und die Kelten, so genannt nach der Zeit, als jeder Gott sein konnte – sie waren in der Gruppe, einzeln oder gepaart auf der Straße nie unter 100 km/h unterwegs – konnten mit höherer Geschwindigkeit die Landschaft vorbeiziehen lassen, diese Flüchtigkeit der Landschaft störe nicht beim Denken.

(Heinz Pusitz)